Trump wirbelt Märkte durcheinander

Liebe Leserinnen und Leser,

die vergangenen Handelstage waren wirklich schwer zu verstehen und ich möchte versuchen, die Annahmen, die der Markt derzeit einpreist, zu erklären.

Trump, der zunächst von den Märkten gefürchtet wurde, wird nun plötzlich als Heilsbringer für die US-Wirtschaft angesehen. Wie erwähnt, will Trump die Steuern senken, Jobs ins eigene Land zurückholen und ein 500 Milliarden USD schweres Konjunkturprogramm auflegen. Von all diesen Maßnahmen verspricht man sich nun ein starkes US-Wirtschaftswachstum, aber auch eine anziehende Inflation.

Soweit so gut. Die Aktienmärkte gehen gen Norden, der US-Dollar wird nochmals stärker und die Rohstoffpreise (Kupfer, Nickel, Eisenerz, etc.) ziehen an.

Bis dahin alles nachvollziehbar.

Auf der anderen Seite ziehen die Renditen der US-Staatsanleihen deutlich an. Die Frage ist, was ist der Auslöser für den Anstieg der US-Renditen, denn es gibt mehrere Begründungen, die passen würden.

Renditen können steigen, wenn Anleger aus sicheren Häfen fliehen und wieder auf Wachstum setzen. Anleihen werden verkauft, die Kurse fallen und die Renditen steigen. Die Frage die hier offen ist: wie soll Wachstum finanziert werden, wenn das Land eine Rekordverschuldung hat? Einige Projektionen zeigen jetzt schon an, dass unter Trump das Haushaltsdefizit der USA massiv steigen wird.

Andererseits können die Renditen aber auch steigen, wenn der Markt ein höheres Risiko beim Emittenten sieht, sprich bei der Bonität der USA. Es wird eine höhere Risikoprämie eingerechnet, die zu steigenden Renditen führt.

Auch eine anziehende Inflationserwartung lässt die Renditen steigen, genau wie ein Überhang an Verkäufern. Es könnte zum Beispiel sein, dass ausländische Investoren wie die Chinesen nach dem Trump-Sieg massiv aus den US-Anleihen aussteigen. Trump hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er eine protektive Wirtschaftspolitik verfolgen möchte und unter anderem Strafzölle gegen China verhängen will. Warum sollten die Chinesen dann noch Billionen von US-Staatsanleihen behalten oder gar neu kaufen?

Es gibt also diverse mögliche Gründe für den Renditeanstieg.

Wenn der Markt von einer anziehenden Inflation ausgeht, müsste Gold profitieren. Wenn der Markt von höheren US-Schulden ausgeht, müsste Gold profitieren. Auch bei Unsicherheiten über die Bonität der USA oder bei großen Kapitalabzügen aus Asien, würde Gold als sicherer Hafen zumindest interessant erscheinen.

Mir fehlt derzeit also ein bisschen der Zusammenhang bzw. die logische Erklärung, warum die Märkte so laufen, wie sie es tun.

Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen liegt aktuell bei 2,92%. Im Juli lag diese noch bei 2,10%. Wir sprechen als über einen Anstieg von 40% in weniger als 4 Monaten. Diese steigenden Renditen stärken den US-Dollar, da die Zinsdifferenz zu Europa anzieht. Doch die Märkte vergessen aus meiner Sicht, dass sich die USA nun zu 40% höheren Renditen verschulden müssen und das mit einem neuen Präsidenten, der das Haushaltsdefizit vermutlich schneller ausweiten wird, als jeder seiner Vorgänger….

Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen

Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen

Der US-Dollar ist gestiegen, doch noch immer unter den massiven Widerständen bei 100 Punkten:

US-Dollar Index

US-Dollar Index

 

Es würde enorm viel Kraft brauchen, um über diese Marke zu steigen. Zudem würde es Trump nicht in die Karten spielen. Ein starker US-Dollar ist Gift für seine Pläne. Er will die Wirtschaft ankurbeln und dies ist in einem größeren Umfang nur über eine steigende Exportquote zu erreichen.

Der Goldpreis gab auch gestern die Gewinne vom frühen Handel ab und rutschte nach unten. Technisch setzen wir bei 1.250 USD auf. Im Chart sehen wir, dass diese Marke wichtig ist, da sie die 50%-Fibonacci-Unterstützung darstellt.
Sollte diese Marke nicht halten, dann wären technisch 1.220 bis 1.200 USD möglich:

goldpreis11112016

Fazit:

Ich kann die meisten Punkte, die der Markt „spielt“, nachvollziehen. Warum Gold allerdings in all diesen Szenarien so schlecht abschneidet, lässt sich schwer begründen. Das Argument, dass Trump die Wirtschaft zum Laufen bringt und alle Probleme löst, kann ich nicht zählen lassen.

Er wird zunächst die nächsten Monate gar nichts tun können, weil es alles lange dauert, bis er handlungsfähig ist.
Dann kann er Wachstum nur über neue Schulden finanzieren. Das Defizit der USA wird weiter deutlich steigen, ebenso die Gesamtverschuldung.
Diese neuen Schulden und auch alle fällig werdenden Anleihen müssen dann zu deutlich höheren Zinsen aufgenommen werden. Der Kapitaldienst seigt also, gleichzeitig sollen aber die Steuern sinken. Bis das Wirtschaftsprogramm greift, vergehen locker 12 Monate eher mehr. Das zeigt die Vergangenheit.

Jetzt Probelesen

Ronald Reagan, der auch als Außenseiter die Wahl gewann, hatte die gleichen Ansätze. Er senkte die Steuern, erhöhte die Verschuldung. Doch es dauerte bis das Programm gegriffen hat und rund 6 Monate nach seinem Amtsantritt rutschten die USA zunächst in eine Rezession!
Ich vermute, der Markt nimmt in den ersten wenigen Handelstagen nach dem Trump-Sieg viel zu viel vorweg. Bald wird die Realität in die Märkte zurückkehren und man wird sich wieder auf die Fakten fokussieren. Und diese sprechen klar pro Gold.

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