Gold und Rohstoffe sind weiterhin antizyklische Investments

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt die verschiedensten Anleger-Typen an der Börse. Trader, die teilweise im Minutentakt handeln oder jeden Handelstag die Positionen komplett schließen, Spekulanten, trendorientierten Anleger oder antizyklische Investoren. Die Liste kann man noch lange fortsetzen.

„Jede Jeck ist anders“ würde man in Köln sagen.

Wenn wir uns Gold und alles was so dazugehört (Goldaktien, Silberaktien, Rohstoffe, Rohstoffaktien) anschauen, dann muss ich Ihnen sagen, dass so ziemlich alle Anlegertypen, die ich oben genannt habe, in diesen Sektoren derzeit nicht vertreten sind.

Einzig die antizyklischen Investoren sind es, die hier derzeit ihr Glück versuchen.

Verluste, Häme und Spott kommen vor den Gewinnen

Was bedeutet eigentlich antizyklisch zu investieren?

Das allwissende WIKIPEDIA beschreibt die Vorgehensweise wie folgt:

Antizyklisches Investieren (englischcontrarian investing, dt. auch Contrarian-Strategie) ist eine Anlage- bzw. Timing-Strategie, bei der ein Anleger versucht einen Ertrag zu generieren, indem er entgegen der breiten Masse, also antizyklisch handelt. Das bedeutet prinzipiell bei schlechter Konjunktur bzw. schlechter Marktstimmung zu kaufen und bei guter Konjunktur bzw. Stimmung zu verkaufen. Der zur Börsenweisheit gewordene Spruch von Carl Mayer von Rothschild „Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen.“ fasst diese Strategie in markigen Worten zusammen.[1]

Die Grundidee dahinter ist, dass die Meinung der Mehrheit zu einer Übertreibung der Kurse führt, sowohl nach oben, als auch nach unten. Ist z. B. die Mehrheit der Anleger positiv für einen Markt gestimmt und erwartet sie weiter steigende Kurse, so kauft sie Wertpapiere auch noch zu Preisen, die fundamental nicht mehr gerechtfertigt sind (es kommt folglich zu einer Abweichung des inneren Wertes). Ebenso verhält es sich bei Verkäufen in einem Papier. Die Anleger verkaufen aus Angst oder Panik die Papiere immer weiter und sorgen so für Kurse, die weiter fallen, als eine „faire“ Bewertung des Unternehmens es rechtfertigen würde.

Der Strategie legt die Annahme zugrunde, dass sich die Anleger nicht rational verhalten (siehe auch Homo oeconomicus), sondern – wie ein Herdentier – immer das Verhalten der breiten Masse nachahmen, sprich ihr „hinterherrennen“. Dies entspricht irrationalem von Emotionen getrieben Verhaltensweisen. Dies wiederum kann anderen Marktteilnehmern potentiell attraktive Investmentchancen ermöglichen.

Außerdem nimmt die Strategie an, dass sich ein Finanzmarkt in Zyklen bewegt, also auf fallende Kurse auch wieder steigende Kurse folgen – und umgekehrt. Sie kann somit auch als eine Mean-Reversion-Strategie betrachtet werden. Hierin liegt auch die größte Schwierigkeit der Strategie, setzt sie doch voraus, dass der Anleger in der Lage ist – innerhalb einer gewissen Toleranz – den Zeitpunkt des Tiefst- bzw. Höchstpunkts zu bestimmen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass ohnehin bereits tief gefallene Aktien noch weiter fallen können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von sogenannten „Value Traps“.

Es klingt eigentlich ganz einfach und ergibt schnell Sinn.

Das Problem liegt aber, wie so oft im Leben, im Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis.

Als antizyklischer Investor tut man genau das Gegenteil von dem, was die Masse der Anleger tut. Man stellt sich gegen den Strom, ohne zu wissen, wie stark sich eine aktuelle Trendbewegung noch entwickeln wird und wie lange sie noch anhalten wird.

Die meisten antizyklischen Investoren orientieren sich in Sachen Timing an über lange Zeit gültigen Verhältnissen in den Märkten, langfristige Bewertungsniveaus oder Ähnlichem.

Obwohl das antizyklische Investieren theoretisch total einfach klingt, bringt es die meisten Neulinge schnell zur Verzweiflung.

Viele antizyklische Investoren sind zum Beispiel aus den Aktienmärkten schon lange ausgestiegen. Die Kurs-Rallye, die in 2009 ihren Anfang fand, geht nun schon in ihr 10. Jubiläumsjahr.

Was schmerzt mehr als Verluste? Richtig – entgangene Gewinne.

Hätte ich doch nur diese oder jene Aktie einfach gekauft und behalten…usw.

Diese Schmerzen sind es, die gerade antizyklische Investoren überstehen müssen, bevor sie die Ernte einfahren. Die Häme und den Spott der anderen Anleger  bekommt man völlig gratis hinzu!

Zurück zu Gold.

Gold ist nach wie vor ein antizyklsiches Investment und somit hat man als Anleger in diesem Sektor genau mit den oben geschilderten „Schmerzen“ zu kämpfen. 

Die Akne wird nicht durch Make-Up geheilt

Durch die Geldschwemme der Notenbanken wurden die strukturellen Probleme nicht gelöst, sondern nur verdeckt. Wenn jemand Probleme mit Akne hat und diese dann unter einem halben Kilo Make-Up versteckt, löst das das Problem nicht.

Wenn man dann in einen Starkregen kommt, was angesichts der aktuellen Temperaturen gut möglich ist, dann kommt das „versteckte Problem“ wieder ans Tageslicht.

Genau das sehen wir ja derzeit wieder eindrucksvoll in Europa. Italien will und kann nicht mehr mit dem Euro und der EU und in Spanien wurde heute der Ministerpräsident mit einem Misstrauensvotum aus dem Amt geschmissen. Ein Sozialist soll nun den Karren aus dem Dreck ziehen (good luck).

Da fällt mir nur immer das Zitat von Margaret Thatcher ein:

„Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht“ 

Doch all die Probleme in den USA, Europa oder Japan wurden mit einer nie dagewesenen Geldschwemme einfach verdeckt. Dies führte dann zu einer Aktienmarkt-Rallye, die mittlerweile eine der längsten der Geschichte ist.

Die Papier-Währungen werten ab, Anleger bekommen keine Zinsen mehr und die Inflation frisst das Geldvermögen auf. In Europa steigt die Inflation und liegt nun schon bei über 2%. In Deutschland noch höher. In den USA hatten wir im April 2,50%, Tendenz steigend. 

Eigentlich das perfekte Szenario, um in die älteste Währung der Welt zu investieren.

Doch NOCH ist GOLD nicht in den Medien, noch drängt das große Kapital nicht in den Sektor und daher ist Gold nach wie vor ein antizyklisches Investment, mit all seinen Chancen – aber auch mit all den Schmerzen solcher Strategien.

Stimmung im Keller

Die ROYAL BANK OF CANADA, kurz RBC, hat in dieser Woche ein Update zu den Rohstoffmärkten veröffentlicht. Darin enthalten der Stimmungsindikator für Gold.

Diesen will ich Ihnen zeigen:

Gold-Stimmungsindikator, Quelle: Royal Bank of Canada

WOW! Im Mai waren gerade noch 20% der Befragten bullisch für Gold eingestellt, fast 40% der Marktteilnehmer sind bearisch (erwarten weiter fallende Goldpreise) und rund 40% sind neutral.

Im Chart sehen wir, dass wir das schlechteste Stimmungsbild seit Dezember 2017 vorliegen haben. Damals zog der Goldpreis von 1.120 USD auf 1.360 USD an. 

Es zeigt sich also auch hier klar, dass im Gold derzeit nur die antizyklischen Investoren auf der Käuferseite stehen, da der Rest entweder null Interesse an diesem wertlosen Metall hat oder auf fallende Preise setzt.

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2 Milliarden USD Short-Positionen im beliebtesten Sektor der Nordamerikaner

Trader, Spekulanten, Renditejäger und sonstige Investoren-Typen sind auf anderen Spielfeldern aktiv. In Kanada strömt wieder enorm viel spekulatives Kapital in den Bereich der Marihuana-Aktien.

Anfang des Jahres brachen viele der Aktien massiv ein und es gab ein erstes Blutbad. Doch seit einigen Monaten laufen die Titel wieder und locken kleine wie große Investoren an.

Interessant finde ich den folgenden Bericht.

Short-Quote im Sektor nahe Rekordhoch, Quelle: https://www.profitconfidential.com/marijuana/marijuana-short-sellers-investors-concerned/

Das Research-Unternehmen IHS MARKIT hat in einem jüngsten Bericht vom 22.05.2018 festgestellt, dass sich die Short-Positionen im Marihuana-Sektor seit dem 4. Quartal 2017 um mehr als 100% nach oben bewegt haben. Fast 2 Milliarden USD hoch ist die Short-Position auf den gehypten Sektor.

Es scheinen also einige, vermutlich antizyklische Investoren, gegen diesen Hype zu spekulieren. Als sie dies das letzte Mal getan haben, folgte ein massiver Einbruch in diesem Sektor.

Langfristige Formation nimmt Gestalt an

Wenn wir uns den Monatschart (jede Kerze ein Monat) ansehen, dann bleibe ich dabei, dass wir hier eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausbildend. Die Nackenlinie verläuft aktuell bei etwa 1.360 USD und ein Anstieg über diese Marke würde technisch orientiere Anleger und Trader zurück in unser Spielfeld bringen! 

Goldpreis im Monatschart, Quelle: www.stockcharts.com

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Nun wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und immer gute Nerven, wenn Sie wie ich einer der wenigen antizyklischen Investoren im Goldsektor sind!

Beste Grüße

Ihr

Hannes Huster