Schwarzer Montag: Crash auf (fast) allen Ebenen

Heute droht der „schwarze Montag“ an den Märkten.

Bereits in Asien und Australien gab es massive Kurseinbrüche und nahezu keine Branche wurde davon verschont. Ein Run heraus aus allen Aktien, hinein in Cash.

Noch am Freitag wurden die US-Märkte gegen Ende des Handels nach oben gezogen.
Doch dann kamen die gescheiterten OPEC-Verhandlungen. Die Fördermengen sollten gekürzt werden, um das Angebot zu verknappen und den Ölpreis zu stabilisieren. Doch die OPEC+ und Russland konnten sich nicht einigen.

Daraufhin kündigte Saudi-Arabien an, Preisdumping zu betreiben.

ARAMCO, der größte Förderer in Saudi-Arabien, will alle Ölsorten für alle Abnehmer deutlich verbilligen. Preisabschläge von rund 8 USD je Fass bedeutet dies für Abnehmer in Europa.
Der Ölpreis brach daraufhin nochmals dramatisch ein.

Das CRUDE-OIL rutschte bereits am Freitag deutlich nach unten. Derzeit notiert ein Fass bei ca. 30 USD, nachdem an den Terminmärkten bereits Preise von unter 30 USD (Tief 27,34 USD) gehandelt wurden. Noch im Januar 2020 kostete ein Barrel über 60 USD und somit hat sich der Ölpreis mehr als halbiert:

Zuletzt notierte Öl auf einem so niedrigen Niveau Ende 2015/Anfang 2016:

Dieser Einbruch beim Ölpreis bewegt die Gemüter der Anleger und der Crash wird beschleunigt.

Gerade der Kreditmarkt im Ölsektor steht hier unter höchster Gefahr! Viele der Unternehmen haben hohe Schuldenberge und mussten sich in den vergangenen Monaten und Jahren am teuren High-Yield-Markt bedienen. Besonders die Hochkostenproduzenten könnte es in dieser Bewegung zerreißen.

Die Situation ist noch relativ schwer einzuschätzen, da noch nicht 100%-ig klar ist, ob die Saudis taktisch pokern, um Russland unter Druck zu setzen oder nicht.
Zudem scheint sich in Saudi-Arabien der Widerstand gegen den Kronprinzen zu verstärken. Laut diversen Medienberichten wurden am Wochenende drei ranghohe Mitglieder des Königshauses festgenommen, die angeblich einen Putsch gegen Mohammed bin Salman geplant haben sollen.

Jetzt Probelesen

Ein fallender oder crashender Ölpreis ist immer ein Warnsignal für Anleger.
Deshalb wurden heute in Australien auch alle Aktien verkauft. Selbst die Goldaktien, die sich anfangs noch in der Pluszone aufhalten konnten, kamen im Laufe des Handels unter Verkaufsdruck. Die Verluste lagen bei 5% bis 15% im Schnitt.
Dabei war es den Verkäufern völlig egal, was sie verkauft haben, Hauptsache es wurde verkauft und Cash geschaffen. Dies zeigt in der Regel bereits eine hohe Panik an den Märkten an.

GOLD

Der Goldpreis schoss in der ersten Panikwelle auf über 1.700 USD nach oben, verlor dann bis 1.660 USD. Aktuell wieder eine leichte Erholung auf 1.670 USD:

Somit muss man festhalten, dass Gold weiterhin als sicherer Hafen angelaufen wird. Jedoch kann man nicht ausschließen, dass wir eine ähnliche Liquidierungswelle (wie am 28.02.2020) nochmals auch beim Gold sehen werden.

Es gibt natürlich Argumente, dass ein niedriger Ölpreis nicht grundsätzlich schlecht ist. Energieintensive Branchen werden entlastet, ebenso Rohstoffproduzenten, wo sehr oft der Dieselpreis einer der größten Faktoren ist. Doch diese Argumente zählen in Panikphasen NIE.
Es wird alles verkauft, nur um Cash zu generieren und sich dann die weitere Entwicklung von der Seitenlinie anzusehen.

Oft ist es dann so, dass die Asset-Klassen, die sich am längsten gut behaupten konnten (Gold, Goldaktien) als erstes wieder gekauft werden.

Fazit und mögliche Szenarien

Wir haben Panik im Markt. Zunächst war es „nur“ Corona, nun haben wir die Machtkämpfe zwischen Russland und Saudi Arabien.

Die US-Ölförderer wird dieser Einbruch schwer treffen. Eine Pleitewelle in den USA sollte die logische Folge sein, gepaart mit steigenden Entlassungen und Betriebsschließungen. Schiefer-Öl-Förderer sollten als erstes kaputtgehen. Saudi-Arabien kann diesen Kampf im Ernstfall länger durchstehen, da die Förderkosten für ein Fass Öl gering sind.

Die Notenbanken könnten weitere Schritte planen. Bereits am Freitag kam die Diskussion auf, dass die FED auch die Erlaubnis bekommen sollte, Aktien zu kaufen. Ein weiterer Kauf von US-Staatsanleihen macht bei den zuletzt massiv eingebrochenen Renditen kaum Sinn. Man könnte also die hochriskanten Unternehmensanleihen kaufen oder eben gleich Aktien.

Auch ein Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen den USA und China könnte nicht mehr weit entfernt sein. Trump könnte alle Zölle auf Eis legen, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Jetzt Probelesen

CORONA breitet sich weiter aus, daran besteht kein Zweifel. Doch ich denke weiterhin, dass es die Vorsichtsmaßnahmen und die Psychologie ist, die diesen Virus so gefährlich macht, nicht der Virus an sich.

Interessante Grafiken wurden in der NZZ am Wochenende veröffentlicht. Der Artikel ist gut und lesenswert: LINK

Die Zahl der geheilten Patienten zieht deutlich nach oben, auch wenn die Zahl der neu infizierten ebenfalls steigt:

Die Märkte sind in Panik und viele junge Anleger kennen das in dieser Form nicht.
Die US-Märkte werden tiefrot eröffnen und den asiatischen Märkten folgen.

Wir haben zwar bewusst keine einzige Ölaktie im Depot, doch werden natürlich von der PANIK nicht verschont. Alle Rohstoffaktien fallen, die einen stärker, die anderen weniger stark.

Die größte Angst ist, dass die Kreditmärkte und Finanzierungsmärkte für lange Zeit wieder in den Stillstand kommen, gepaart mit simpler Liquiditätsbeschaffung der Anleger.

Anders als 2008/2009 sind die Notenbanken besser vorbereitet. Ich kann mir eine Ausweitung der Mandate vorstellen, ebenso wie massive Investitionsprogramme der Regierungen.

Diese Maßnahmen könnten helfen, die Psyche der Anleger in den nächsten Tagen/Wochen zu beruhigen. Ebenfalls ein Ende des Handelskrieges.

Für den Moment hat man zwei Möglichkeiten. Die erste ist, man schließt sich der Panik an, verkauft und wartet ab. Die andere Variante ist, die Füße weitestgehend stillzuhalten mit dem Wissen, dass der Großteil der Anlagen im Gold liegt, das sich weiterhin gegen Aktien und Rohstoffe sehr gut behauptet.

Selbst 2008/2009 war zu erkennen, dass Gold als erste Anlageklasse wieder nach oben gekauft wurde, die Goldaktien stiegen innerhalb kürzester Zeit um mehr als 100% im Index. Die Liquidationen der Marktteilnehmer erfolgt zunächst nach Qualität. Zunächst werden die Aktien und Asset-Klassen verkauft, die ohnehin schon auf der Abschussliste standen. Erst ganz am Ende werden die Juwelen verkauft, nur um Liquidität zu schaffen.

Gold ist bislang „the last man standing“. Dennoch der Hinweis, es kann auch hier zu liquiditätsbedingten Verkäufen kommen. Doch am Ende der Bewegung wird Gold die schnellste Erholung sehen, da die Aufwärtsbewegung schon seit Monaten läuft und dies aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen (fallende Renditen, negative Realszinsen, Flutung der Märkte mit Papiergeld).

Beste Grüße

Hannes Huster