GOLDWOCHE 22.06.2018: Übernahmetätigkeit zieht an – Trump bremst Rohstoffe aus

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die vergangenen Handelstage waren von politischen Entscheidungen bestimmt. Allen voran reagierten die Märkte verunsichert auf die Trump´schen Strafzölle in Richtung China.

Als Trump am vergangenen Freitag weitere Zölle auf Waren im Wert von rund 200 Milliarden USD verkündet hat, knickten nicht nur die Rohstoffpreise auf breiter Front ein, sondern auch Gold, die Aktienmärkte und der chinesische Yuan.

Bevor wir aber auf diese Bewegungen eingehen, würde ich gerne einen Blick auf die Wirklichkeit werfen, die leider in vielen Berichterstattungen zu kurz kommt.

Es gab glaube ich noch nie einen US-Präsidenten, der von unseren und den heimischen Medien derart angegriffen wurde. Eigentlich wird alles, was Trump sagt und tut, nur negativ kommentiert.

Wenn wir uns dann aber einmal in Ruhe mit den Fakten beschäftigen, dann sieht die Welt schon ein bisschen anders aus. So auch bei dem großen Thema Handelskrieg und Strafzölle.

Wie wir in der folgenden Grafik sehen können, ist China das Land, mit den bislang höchsten Einfuhrzöllen. Im Jahre 2016 lagen diese im Schnitt bei 9,92%.

Selbst die EU, die sich derzeit gerne als Opfer darstellt, erhob zuletzt Einfuhrzölle in Höhe von durchschnittlich 5,16%.

Das Schlusslicht waren bislang die Vereinigten Staaten. Lediglich 3,48% wurden durchschnittlich an Zoll für die Einfuhr von Waren verlangt. 

Was Präsident Trump nun in die Wege geleitet hat, ist also eine Angleichung der Einfuhrzölle, wie sie China oder auch die EU schon lange einkassiert.

Durchschnittliche Einfuhrzölle von China, der EU und den USA in 2016; Quelle: https://www.srf.ch/news/wirtschaft/importzoelle-im-vergleich-trump-hat-nicht-ganz-unrecht

Rohstoffe reagieren empfindlich

Der Freitag (15.06.2018) war ein dunkelroter Tag im Rohstoffsektor. Just mit der Ankündigung der Einfuhrzölle rutschten die Rohstoffpreise in den Keller. Die Begründung für den Einbruch ist ein zu erwartender Rückgang im Welthandel.

Neben den deutlichen Abschlägen auf den Rohstoffpreisen haben wir eine starke Bewegung nach unten beim chinesischen Yuan gesehen und an den chinesischen Börsen.

Der Markt nimmt nun also an, dass diese Strafzölle dazu führen werden, dass sich der Welthandel deutlich abschwächt und die Chinesen auch deutlich weniger Rohstoffe kaufen werden. Ich denke das ist eine Fehlannahme bzw. wird überbewertet.

Die Zölle gleichen im Grunde vorherige Differenzen aus. Sowohl die EU als auch China haben auf Importe aus anderen Ländern bereits hohe Zölle und dies korrigiert Trump nun. Die entsprechenden Grafik finden Sie oben.

Zudem weiß man nie, ob Trump diesen ersten Vorstoß auch in diesem Umfang halten kann. Wir kennen ihn mittlerweile. Erst legt er hoch vor und meist trifft man sich dann irgendwo in der Mitte.

Sie alle kennen den Spruch: „politische Börsen haben kurze Bein“. Ich denke das wird auch in diesem Fall so sein.

Der Markt bewertet die negativen Auswirkungen (Welthandel) aus meiner Sicht über und vergisst die wirklichen Folgen.

Zum einen werden Waren und Rohstoffe durch diese zusätzlichen Zölle teurer. Daran führt kein Weg vorbei:

Entweder, die Amerikaner bezahlen die Zölle auf die Waren oder sie produzieren sie selber.

In beiden Szenarien steigen die Preise.

Dies wird dann die Inflation anheizen. Komischerweise zeigt dies der Markt bereits in gewisser Art und Weise an, doch man ist so geblendet von dem Thema Handelskrieg, dass man vor lauter Rauchbomben den Feind nicht mehr sieht.

Schauen wir uns ein paar Charts an.

Zunächst der Bloomberg Rohstoff-Index. Diese hat in wenigen Tagen die komplette Aufwärtsbewegung seit April korrigiert. Erst der „Fast-Ausbruch“ nach oben, dann die heftige Bewegung nach unten. Der Index ist massiv überverkauft:

Bloomberg Rohstoffindex; Quelle: www.stockcharts.com

Auf der anderen Seite steigt die Inflation seit Monaten an.

Im Mai lag die offizielle Inflationsrate in den USA bei 2,80%:

Quelle: www.tradingeconomics.com

Demgegenüber sehen wir die 10-Jahresrenditen in den USA stagnieren. 

Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen; Quelle: www.stockcharts.com

Bei einer Rendite auf 10 Jahre von 2,89% und einer Inflationsrate von 2,80% verbleibt beim Anleger eine fast schon lächerliche Real-Rendite (Real-Zins) von 0,09% in der Tasche.

Gold zahlt keine Zinsen

Das alte „Totschlag-Argument“ ist immer: Gold zahlt keine Zinsen.

Daher zieht Gold meist dann überdurchschnittlich an, wenn der Realzins, den Anleger mit Anleihen erwirtschaften können, fällt oder gar negativ wird.

Diesen Fall haben wir nun erneut vorliegen und durch den Basiseffekt wird die Inflation auch im Juni und Juli nach oben ziehen. Voraussichtlich auf über 3%. Verharren die US-Renditen unter 3%, dann ist der Realzins wieder negativ.

Was wissen die Goldaktien, was Gold nicht weiß?

Während der Goldpreis aber am Freitag durch massive Attacken an der COMEX deutlich in die Knie gegangen ist und das oben angesprochene Szenario (noch) ignoriert, bauen die Goldaktien seit Wochen eine Stärke auf.

Das ist ein sehr interessanter Punkt, da die Goldaktien die Bewegung nach unten kaum noch mitgemacht haben.

HUI-Gold-Ratio tendiert nach oben, Gold schwach; Quelle: www.stockcharts.com

Im Chart sehen in in gold den Goldpreis, der seit April fällt. Doch im Gegenzug bauen die Goldaktien eine relative Stärke auf. Die HUI-Gold-Ratio steigt seit Mitte März an.

Dies ist ein wichtiger Indikator für die nächsten Wochen. Ich erachte das Abwärtspotential des Goldpreises aktuell als begrenzt an, da die Minen nicht mehr mit nach unten abfallen.

Übernahmetätigkeit zieht an

Als Gold und die Rohstoffpreise Ende 2015 am Boden lagen, sahen wir in dieser Bewegung auffällig viele Übernahmen und Zusammenschlüsse im Sektor. Unternehmen wurden teilweise zu extrem günstigen Niveaus übernommen. Im Nachhinein hat sich diese anziehende M&A Tätigkeit als Signal für einen Boden herausgestellt.

Nun sehen wir seit einigen Tagen ein vergleichbares Verhalten im Markt.

Ich hatte meinen Lesern über ATLAS IRON (ASX: AGO) berichtet, die jahrelang am Boden lagen und plötzlich gleich drei Parteien die Firma übernehmen wollten. Hier hat Milliardärin Gina Rinehart mit Ihrer Firma HANCOCK nun ein Übernahmeangebot für 0,042 AUD in Cash vorgelegt (LINK). Der Gegenwert liegt somit aktuell bei ca. 400 Millionen AUD, wobei der Markt die Aktie über dem Angebot handelt, was zeigt, dass man vielleicht noch auf ein weiteres Angebot spekuliert.

Dann hat SOUTH 32 (ASX: S32) ein Übernahmeangebot für die kanadische Firma ARIZONA MINING (TSX: AZ) abgegeben. SOUTH 32 ist schon vor Monaten mit 34% bei der Firma eingestiegen und hat nun den restlichen Aktionären ein Premium von 50% auf den bereits gut gestiegenen Kurs angeboten. Insgesamt bewertet SOUTH 32 dieses noch zu entwickelnde Zink-Projekt mit 2,14 Milliarden CAD auf den Tisch!

Eine große Party dürfte der Vorstand feiern. Er hält nämlich rund 30% aller Aktien und darf sich bald über einen 600 Millionen CAD Scheck in seinem Briefkasten freuen.

Eigenes Geld in die Firma zu stecken ist im Rohstoffsektor ein extrem wichtiger Faktor. Deshalb sehen wir es immer gerne bei unseren Firmen, wenn die Vorstände ordentlich eigenes Geld investiert haben. Das Beispiel von ARIZONA zeigt dies in eindrucksvoller Art und Weise.

Gestern dann die nächste Übernahme. DALRADIAN (TSX: DNA) erhielt ein Cash-Übernahmeangebot von ORION MINE FINANCE mit einem Premium von 62% auf den letzten Kurs.

DALRADIAN entwickelt ein hochgradiges Goldprojekt in Nordirland und ORION MINE FINANCE bietet insgesamt einen Kaufpreis von 537 Millionen CAD an.

Das interessante an dieser Übernahme ist eigentlich der Käufer.

ORION MINE FINANCE ist eine Private-Equity Firma. Normalerweise machen diese Firmen ihr Geschäft eher damit, sich in Frühphasen bei Firmen einzukaufen und dann mit dem Börsengang Kasse zu machen oder man kauft sich strategische Beteiligungen an den Firmen, um über diesen Weg Geld zu verdienen. Hinzu kommen dann noch Minenfinanzierungen, Rohstoffhandel etc.

Dass eine solche Private Equity Firma nun eine börsennotierte Firma im Goldsektor komplett übernimmt, zeigt nur eines ganz klar:

Die Unternehmen werden derzeit massiv unter den eigentlichen Werten gehandelt!

Wenn eine Private Equity Firma derartige Übernahmen tätigt, dann nur, weil sie eine massive Unterbewertung zwischen Börsenwert und inneren Wert der Firma sehen. Mit dieser Wertentfaltung verdienen sie dann auf lange Sicht Geld.

Wissen Sie, was der riesige Vorteil von Private Equity ist?

Diese Firmen haben keine nervösen, entnervten oder täglich zweifelnde Aktionäre. Auch sind die Gelder meist langfristig eingebracht und somit ist eine Private Equity Firma geschützt vor ständigen Ab- und Zuflüssen.

Die smarten Manager dieser Firmen finanzieren nun nicht nur Minenunternehmen, sondern kaufen sie gleich komplett auf. Der Value, den sie derzeit bekommen, ist massiv und selbst mit Aufschlägen von 50% oder mehr macht man auf längere Sicht immer noch ein sehr gutes Geschäft.

Fazit:

Lange Durststrecken im Gold- und Rohstoffsektor führen immer wieder zum gleichen Ergebnis.

Anleger steigen frustriert aus, die Stimmung verschlechtert sich deutlich und nur noch ganz wenige Großanleger sind in dem Sektor engagiert. Die Bewertungen fallen auf Niveaus, die man sich kaum noch logisch erklären kann.

Urplötzlich startet dann die Übernahmewelle. Es ist wie ein Domini-Effekt. Kommt eine Firma aus den Startlöchern, wollen die anderen nicht hintenanstehen und holen ihre, vielleicht seit Monaten in den Schubladen liegenden Übernahmepläne, heraus.

Dies war der Startschuß für die Goldpreis-Rallye Anfang 2016. 

Nun sehen wir seit Tagen mehr und mehr Übernahmen und Zusammenschlüsse im Markt und die Prämien, die bezahlt werden, können sich sehen lassen. 

Zudem waren bislang alle Angebote Cash-Zahlungen, was für Aktionäre immer besonders attraktiv ist.

Es würde mich nicht wundern, wenn wir in den nächsten 4-8 Wochen weitere Übernahmen für mehrere hundert Millionen USD im Sektor sehen würden.

Jetzt Probelesen

 

Mit den besten Grüßen

Ihr

Hannes Huster